Förderung der Selbstständigkeit: Diese Hilfen können Sie nutzen

Schild Fördergelder

Unter Förderung der Selbstständigkeit verstehen die meisten Unternehmer Unterstützung in Form von Geld, am besten als nicht rückzahlbarer Zuschuss. Es stimmt schon, dass Zuschüsse als Förderinstrument dienen, um die Selbstständigkeit zu unterstützen. Aber es gibt noch andere Maßnahmen und Angebote, die Selbstständigen helfen sollen. Dabei sind nicht nur Existenzgründer und Jungunternehmer angesprochen, sondern auch bereits etablierte Unternehmer. Lesen Sie, welche Register Sie ziehen können, um die eigene Selbstständigkeit zu fördern, damit Sie leichter auf die Gewinnerstraße gelangen.
 

Zuschüsse: Geschenktes Geld vom Staat

Geld vom Staat gibt es immer dann, wenn Sie sich dazu verpflichten, klar definierte sozialpolitische Ziele zu verfolgen. Das klingt etwas hochtrabend, doch dahinter steckt ein einfacher Deal: Sie bekommen Geld, weil Sie etwas tun, was der Staat gutheißt. Hinter einem Zuschuss steckt meist eine Verpflichtung, denn Sie bekommen einen zweckgebundenen Zuschuss nur dann, wenn Sie nachweisen, dass Sie das Geld auch wirklich im vorher bestimmten Sinne einsetzen. Der Staat schenkt nämlich in erster Linie aus Eigennutz Geld. Der Eigennutz kann ganz unterschiedlicher Natur sein:

  • Unternehmen schaffen an arbeitsmarktpolitisch schwierigen Standorten Arbeitsplätze.

  • Unternehmen schaffen mit der staatlichen Unterstützung langfristig Arbeitsplätze für Arbeitnehmer, die ohne den Zuschuss keinen Job bekommen würden.

  • Der staatliche Zuschuss stärkt die Wirtschaftskraft eines Unternehmens und damit das Bruttosozialprodukt Deutschlands/eines Bundeslandes.

  • Der Zuschuss sorgt für eine allgemein wichtige fachliche Weiterbildung eines Menschen, der damit qualifizierte Arbeiten leisten kann. Das entlastet die Staatskasse, weil kein Arbeitslosengeld und keine Sozialleistungen gezahlt werden müssen.

Je nachdem, aus welcher politischen Motivation heraus ein Zuschuss konzipiert ist, müssen Sie als Geldempfänger mehr oder weniger hohe Anforderungen erfüllen. Den gängigen Zuschüssen ist gemeinsam, dass sie KANN-Leistungen sind. Das bedeutet, dass Sie keinen Anspruch darauf haben. Aus diesem Grund ist es bei der Beantragung von Zuschüssen immer ratsam, sich eng mit dem zuständigen Sachbearbeiter abzustimmen, denn dieser kann und wird nach seinem Ermessen entscheiden. Je besser Sie mit ihm zusammenarbeiten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Zusage.

Unser Beitrag " Zuschüsse und Fördermittel " liefert weitere Details zum Thema.

Hinweis: Manche Zuschüsse sind gesetzlich verankert. Dazu gehören zum Beispiel Arbeitslosengeld oder Mutterschaftsgeld. Doch die sind in diesem Zusammenhang nicht gemeint.

 

Förderung durch Schulungen

Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit fehlt vielen unerfahrenen Gründern das notwendige Grundwissen, welches Basis wirtschaftlichen Handelns ist. Zwar müssen Sie kein studierter Betriebswirtschaftler sein, um Ihre Selbstständigkeit mit Erfolg zu krönen. Doch ohne ein paar Kenntnisse aus dem Bereich geht es auch nicht. Typische Fragen zur Gewerbeanmeldung, zum Unternehmenskonzept und zu den Finanzierungsmöglichkeiten werden in solchen Seminaren vorrangig behandelt.

Die örtlichen IHKs bieten entweder kostenfrei oder kostengünstig Seminare rund um die Existenzgründung an. Jetzt könnten Sie mokieren, dass "kostengünstig" schließlich nicht gratis ist und sie nicht von einer Förderung profitieren. Doch da unterliegen Sie einem Irrtum. Die Seminare werden von Profis gehalten, die enorm viel Erfahrung mitbringen. Die Schulungen kosten den Veranstalter viel Geld und der Staat bezuschusst Sie indirekt, indem er die Veranstalter entsprechend fördert. Die Seminare sind nur deshalb so günstig, weil im Hintergrund eine Förderung läuft.
 

Förderung durch Beratungsleistungen

Im Beratungsbereich ist die Förderlandschaft sehr vielfältig. Die Angebot reichen von

  • kostenfreien Beratungen bei städtischen oder landesbehördlichen Einrichtungen ( z. B. die Wirtschaftsförderung oder IHK)

  • über bezuschusste Beratung in Zusammenarbeit mit registrierten Beratern.

Im ersten Schritt ist es immer ratsam, zuerst die Angebote bei der örtlichen Wirtschaftsförderung zu prüfen. Viele Einrichtungen stehen ortsansässigen Betrieben mit Rat und Tat zur Seite. Das gilt für Existenzgründer genauso wie für etablierte Unternehmen. Auch, wenn eine Firma in ernsten finanziellen Schwierigkeiten steckt, ist die Wirtschaftsförderung eine gute Anlaufstelle. Sie wissen nämlich um die Chancen, die in einer gezielten Sanierung steckt und können Sie mit Beratern zusammenbringen, die Ihnen helfen - für kleines Geld. Ganz umsonst sind die Beratungsleistungen nicht, aber die Förderquoten liegen zwischen 50 und 90 Prozent bezogen auf die Beratungskosten. Der Zuschuss ist meist nach oben gedeckelt. Beispiel: Beim Bafa-Beratungszuschuss fließen maximal 2.700 Euro für Sanierungsberatungen. Für Beratungen zu allgemeinen wirtschaftlichen Themen können Sie bis zu 3.200 Euro aus dem Fördertopf erhalten.
 

Förderungen durch Tilgungsaussetzung und Tilgungszuschüsse

Weitere Möglichkeiten die Selbstständigkeit zu fördern liegen in den Instrumenten der Tilgungsaussetzungen und Tilgungszuschüsse. Damit Sie davon profitieren können, müssen Sie einen entsprechenden Kredit aufnehmen, der mit diesen Förderinstrumenten ausgestattet ist. Sie kommen also über einen Umweg in den Genuss einer solchen Förderung.
 

Welche Kredite bieten Tilgungsaussetzung oder Tilgungszuschüsse an?

In erster Linie bieten die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie die Landesbanken Kredite an, die bereits von der Grundkonzeption her mit einem oder mit beiden Tilgungsvorteilen ausgestattet sind. Allerdings ist es nicht möglich, sich ein solches Darlehen aus dem Angebot der KfW oder Landesbanken herauszupicken. Stattdessen läuft es in der Regel so ab:

  1. Eine Firma oder ein Selbstständiger hat Finanzierungsbedarf für ein konkretes Vorhaben. Sie wollen zum Beispiel eine Maschine anschaffen oder Investitionen in die Digitalisierung Ihres Unternehmens vornehmen.

  2. Je nach Finanzierungsanlass kommen bestimmte (Förder-) Kreditprogramme in Frage.

  3. Die infrage kommenden Programme können Sie nun prüfen und ein Finanzierungskonzept aufstellen.

  4. Befindet sich unter den möglichen (Förder-) Kreditprogrammen auch eines mit Tilgungszuschuss oder tilgungsfreier Anlaufzeit, können Sie es in die Gesamtfinanzierung einbauen.

Nicht immer sind Förderkredite verfügbar bzw. nicht immer sind Banken bereit, die nötigen Anträge für Sie zu stellen – obwohl Sie gesetzlich dazu verpflichtet sind. Allerdings eröffnet Ihnen eine solche Situation einen gewissen Handlungsspielraum, den Sie zu Ihrem Vorteil nutzen könnten.

 

Was tun, wenn die Hausbank keinen Förderkredit beantragt?

Es wird nur hinter der vorgehaltenen Hand ausgesprochen, doch es kommt in der Praxis immer wieder vor. Die Bank ist grundsätzlich bereit, ein Finanzierungsvorhaben zu begleiten, will aber ihre eigenen Kredite platzieren. Vor diesem Hintergrund lehnt sie es ab, die Antragsformulare für Sie auszufüllen und der KfW oder der zuständigen Landesbank zu schicken. Das ist zwar gegen alle Regeln, aber es kommt trotzdem vor. Sie können aus dieser Situation unter Umständen noch etwas für sich rausholen, denn Sie müssen das nicht einfach hinnehmen.

Nimmt die Bank Ihnen einen Vorteil, fordern Sie einen gleichwertigen Ausgleich. Dieser kann ganz individuell auf Ihre Bedürfnisse ausgerichtet sein.

  1. Sie fordern die Bank auf, die Konditionen des Bankkredits mindestens an das Niveau des Förderkredits anzugleichen (vorausgesetzt, die Konditionen sind besser und kommen Ihrem Vorhaben entgegen).

  2. Sie können der Bank sagen, dass Sie nur dann einverstanden sind, wenn diese Ihnen z. B. eine tilgungsfreie Anlaufzeit von 6, 12 oder 24 Monaten gewährt.

  3. Brauchen Sie mehr Flexibilität innerhalb des Kredits? Dann könnten Sie eine Option über Tilgungsaussetzung ohne Entschädigungszahlung in den Vertrag einbauen lassen.

Unser Tipp: Handelt die Bank zu ihrem eigenen Vorteil, bieten Sie Paroli. Im Zweifel platzieren Sie bereits parallel eine weitere Anfrage bei einer anderen Bank, um eine Alternative zu haben. Wer die Wahl hat, hat die Macht.
 

Förderung der Selbstständigkeit durch Mentoring

Nicht nur Geld hilft dabei, ein Unternehmen zu betreiben. Genauso wichtig sind gute Kontakte und wertvoller Rat von erfahrenen Unternehmern. Wenn Sie bereits ein funktionierendes Netzwerk nutzen, freuen Sie sich und pflegen es aufmerksam, denn es ist buchstäblich unbezahlbar. Falls Sie aber nicht zu den Glücklichen mit einem aktiven Netzwerk gehören, sollten Sie diesem Aspekt etwas mehr Aufmerksamkeit schenken. Sie haben zwei Möglichkeiten.
 

Möglichkeit 1: Netzwerk von Grund aufbauen

Der Auf- und Ausbau eines Netzwerks kostet in erster Linie viel Zeit. Außerdem erfordert es Initiative, denn Sie müssen selbst ganz gezielt tätig werden.
 

Möglichkeit 2: Sie suchen sich einen Mentor

Ob Business-Angels oder Alumni – es gibt verschiedene Organisationen, die Mentoring-Programme anbieten. Auch so mancher UnternehmerInnen-Zirkel und auch Wirtschaftsverbände bieten Mentoring-Programme an. Recherchieren Sie in Ihrem beruflichen Umfeld und in angrenzenden Themenfeldern, um geeignete Anlaufstellen zu finden.

Ein Mentoringprogramm ist oft so aufgebaut, dass Sie kostenfrei den Rat eines erfahrenen Mentors beanspruchen können. Im Gegenzug verpflichten Sie sich, später selbst als Mentor zur Verfügung zu stehen. Der Mentor kann sie nicht nur in Sachen Unternehmertum beraten und fördern, sondern Sie vor allem mit wichtigen Persönlichkeiten in Ihrer Branche in Kontakt bringen. Über Empfehlung einen Kontakt zu bekommen ist ein sehr guter Einstieg. Es spart viel Zeit, denn es beschert Ihnen einen Vertrauensvorschuss. In das Netzwerk eines erfahrenen Unternehmers aufgenommen zu werden ist ein wertvoller Aspekt, der maßgeblich zum Erfolg beitragen kann. Vergessen Sie dennoch nicht, dass Sie selbst ebenfalls Zeit und Mühe investieren, um Ihr Netzwerk nutzbar zu halten. In diesem Punkt dürfen Sie nicht nachlässig sein, denn nur wer sich engagiert, erhält etwas zurück.
 

Geld, Zahlungserleichterungen, Schulungen, Beratung und Mentoring fördern die Selbstständigkeit

Die Förderung der Selbstständigkeit hat viele Gesichter und ist vielschichtiger, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Nicht jeder der vorgeschlagenen Möglichkeiten ist für jeden Selbstständigen geeignet. Wählen Sie die Ansätze aus, die Ihnen und Ihrem Vorhaben naheliegen, um den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen. Denn dann erzielt eine Förderung die besten Ergebnisse: Sie sorgt dafür, dass Sie erfolgreich am Markt stehen, den Wirtschaftsmotor brummen lassen und ihren sowie zusätzliche Arbeitsplätze sichern.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung nach der Gewerbeanmeldung?

Im Zuge Ihrer Gewerbeanmeldung sollten Sie sich nun zeitnah um Ihre Krankenversicherung kümmern. Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr automatisch Pflichtmitglied in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse und müssen sich dort auf Antrag befreien lassen. Die Beiträge werden nun nach Ihrem Einkommen erhoben. Die Kosten belaufen sich im Jahr zwischen...

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